Neuerungen zu ausgewählten Impfungen im Erwachsenenalter (Stand: September 2018)



1. Impfung gegen FSME (Zentraleuropäische Frühsommer-Meningoenzephalitis)

Die von Zecken übertragene Hirnhautentzündung FSME kommt in Norddeutschland, insbesondere in Berlin und Brandenburg, nicht vor. Impfungen sind daher bei Aufenthalten in unserer Region nicht nötig.
Innerhalb Deutschlands ist eine Prophylaxe gegen FSME zu erwägen, wenn man sich in den Schwarzwald oder Bayrischen Wald begibt - abhängig vom Freizeitverhalten. Die gesetzlichen Krankenkassen übernehmen in diesem Fall auch für in Berlin Versicherte die Kosten für die nötigen 3 Injektionen. Erste Auffrischung nach 3 Jahren, dann alle 5 Jahre.
In Südosteuropa, z.B. auch in Österreich, und in Skandinavien kommen FSME-übertragende Zecken jedoch sehr häufig vor. In diesem Fall gilt die Impfung als Reise-Impfung und wird nicht von den Krankenkassen erstattet!
Gegen die viel häufiger von Zecken übertragene Borreliose ist kein Impfschutz verfügbar. In Berlin/ Brandenburg ist bei ca. jedem 4. Zeckenbiss eine Infektion mit Borrelien zu erwarten. Die leicht zu übersehenden Symptome (Hautausschlag, Lymphknotenschwellung, Fieber) treten nach 1 - 3 Wochen auf und müssen, um schwerere Organschäden zu vermeiden, antibiotisch behandelt werden. Da es über 200 Borrelien-Subgruppen gibt, kann man auch nach einer überstandenen Borreliose leider nicht von einer Immunität ausgehen.

2. Neu: 2 verschiedene Impfstoffe gegen Herpes Zoster ("Gürtelrose")

Neben dem wieder zugelassenen Lebendimpfstoff "Zostavax" (1 Injektion, ca 178€) ist seit 2018 auch ein Passivimpfstoff auf dem Markt "Shingrix" (2 Injektionen á 113€) .
An einer Gürtelrose kann jeder erkranken, der einmal Windpocken (Varizellen) durchgemacht hat. Besonders bei geschwächter Abwehr und bei älteren Menschen ist die Wahrscheinlichkeit erhöht; gefürchtet ist das Auftreten im Gesichtsbereich (Trigeminus-Nerv). Verschiedene Studien zeigen, dass bei geimpften Patienten die nur schwer therapiebaren Nervenschmerzen (sog. Post-Zoster-Neuralgien) deutlich seltener zurückbleiben, nachdem die Gürtelrose abgeheilt ist.
Die Impfkosten in den meisten Fällen vom Patienten selbst zu tragen; ein Antrag auf Kostenerstattung bei der Krankenkasse kann bei bestimmten gesundheitlichen Voraussetzungen (Immunschwäche, Chemotherapie etc) erfolgreich sein.


3. Keuchhusten-(Pertussis-)-Impfung bei Erwachsenen:

Jede Tetanus-Auffrischungsimpfung sollte im Erwachsenenalter Anlass geben, einmalig auch gegen Keuchhusten zu immunisieren.
Grund: inzwischen sind in Deutschland mehr als 70% der an Keuchhusten Erkrankten im Erwachsenenalter! Für Säuglinge im ersten Lebenshalbjahr kann eine Ansteckung tödlich sein; daher wird im Sinne eines "Nestschutzes" allen Betreuungspersonen empfohlen, sich gegen Keuchhusten zu schützen. Die Impfung ist nur als Kombinationsvakzine zusammen mit Tetanus und Diphterie (und ggf Polio) erhältlich.
Die Kosten werden von den Krankenkassen übernommen.

4. Impfung gegen Pneumokokken (Erwachsene):

Allen Patienten über 60J sowie bei vielen chronischen Krankheiten wird die Impfung gegen Pneumokokken empfohlen - die häufigsten Erreger der ambulant erworbenen bakteriellen Lungenentzündung. Der Impfstoff Pneumovax 23 bietet nach der üblichen einmaligen Injektion einen Schutz für ca. 5 Jahre und kann dann noch einmal aufgefrischt werden (Stand: März 2018)
Außerdem steht eine Alternative zur Verfügung: Prevenar 13. Dieser Impfstoff schützt vor weniger Subtypen der Pneumokokken, dafür bleibt der Schutz aber wahrscheinlich lebenslang bestehen. Für immungeschwächte Patienten werden spezielle Abfolgen der Pneumokokken-Impfungen empfohlen.


5. Impfung gegen HPV (Humane Papilloma Virus):

Zielgruppe: Mädchen zwischen 12 und 17 Jahren, idealer Impfzeitpunkt vor der Aufnahme sexueller Aktivitäten. 3 Injektionen innerhalb eines halben Jahres.
Die vielfältigen HP-Viren sind sehr verbreitet, werden vorwiegend beim Geschlechtsverkehr übertragen und führen meist nur zu harmloseren lokalen Entzündungen oder Genitalwarzen. Bei einigen Untergruppen jedoch konnte nachgewiesen werden, dass Infektionen langfristig zu Gebärmutterhalskrebs (Zervix-Karzinom) führen - in Europa die zweithäufigste krebsbedingte Todesursache bei Frauen unter 45 Jahren. Gegen diese kanzerogenen Virus-Untergruppen ist ein Impfstoff verfügbar.
In Einzelfällen werden auch jungen Frauen jenseits des 18. Geburtstages die Impfkosten von den Kassen erstattet.
Neuerdings wird zur Vermeidung der Verbreitung von Genitalwarzen auch eine Impfung für Jungen unter 18 diskutiert.


6. Impfung gegen Masern :

Allen nach 1970 Geborenen wird wegen der derzeitigen Masern-Epidemie dringend empfohlen, den Impfschutz überprüfen und ggf. vervollständigen zu lassen - dies wird von den gesetzlichen Krankenkassen übernommen. Sollte eine Impfung erforderlich sein, wird eine 3fach-Vakzine (schützt auch vor Mumps und Röteln) angewendet, da derzeit kein isolierter Masern-Impfstoff verfügbar ist. Es sich hierbei um eine Lebend-Impfung.

7. Grippe-Impfung (Influenza A + B)- Stand: September 2018

Die Impfung muss in jedem Jahr wiederholt werden und sollte nicht vor Oktober/November erfolgen; Für die Saison 2018/2019 wurde nun für alle Versicherten der tetravalente (Vierfach-)Impfstoff zugelassen und ist in meiner Praxis verfügbar.
Die wöchentlich aktualisierte Statistik gemeldeter Grippe-Infektionen kann beim Robert-Koch-Institut eingesehen werden:
http://influenza.rki.de
Privat Versicherten werden die Grippe-Impfkosten in der Regel vollständig erstattet, unabhängig von Alter und Vorerkrankungen.
Bei gesetzlich Krankenversicherten ist die Impfung vom 60. Lebensjahr an sowie bei vielen chronischen Erkrankungen sowie individuellen Gefährdungen Kassenleistung.
Mit der neuen Impfempfehlung der STIKO wird sie explizit auch Schwangeren ab dem 2. Trimenon empfohlen sowie allen, die im Gesundheitswesen tätig sind und/oder sich um Ältere kümmern.